Cato Bontjes van Beek ist Namensgeberin

Pressemitteilung 28. August 2026

Burgdorfer ev.-luth. Kirchengemeinden fusionieren zum 1. Januar 2027

Am 1. Januar 2027 werden die drei Burgdorfer ev.-luth. Kirchengemeinden eine Gemeinde sein mit dem Namen: Ev.-luth. Cato-Bontjes-van-Beek-Gemeinde. Die drei Kirchenvorstände haben sich für diesen Namen entschieden.

Cato Bontjes van Beek ist in Fischerhude bei Bremen aufgewachsen, ihr Großvater, der Maler Heinrich Breling, stammte aus Burgdorf. Ihr Lebensweg war geprägt von der Suche nach einem verantwortungsbewussten Leben. Das Wort Jesu „Liebet eure Feinde“ brachte sie dazu, im Jahr 1941 in der Berliner S-Bahn französischen Kriegsgefangenen Lebensmittel und Kassiber zuzustecken. Informationen über die Verbrechen der Nazis in Osteuropa regten sie zur Mitarbeit an Flugblättern gegen den Krieg an. Auf ihre politische Einstellung angesprochen erwiderte sie: „Ich will doch nur eins sein und das ist: ein Mensch!“

Aufgrund dieser Flugblattaktionen wurde sie verhaftet, zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 im Alter von 22 Jahren hingerichtet. Ihre Briefe aus der Haft sind eindrucksvolle Zeugnisse einer jungen Frau, die das Leben liebte und dennoch mutig dem Unrecht widerstand. Es sind auch Zeugnisse einer jungen Frau, die in den Monaten der Gefangenschaft große Kraft im Glauben fand.

Mit der Namenswahl möchte die Cato-Bontjes-van-Beek-Kirchengemeinde dazu anregen, über Menschlichkeit, Friedensfähigkeit und Widerspruch gegen menschenverachtende Parolen ins Gespräch zu kommen. Cato Bontjes van Beeks Weg ist beispielgebend dafür, wie christlicher Glaube besonders jungen Menschen Orientierung zu geben vermag.

Cato Bontjes van Beek leistete Widersatnd gegen das NS-Regime und bezahlte dafür 1943 im Alter von 22 Jahren mit ihrem Leben. Bildquelle: Saskia Bontjes van Beek

Wer war Cato Bontjes van Beek

Cato Bontjes van Beek, eine junge Frau aus Fischerhude bei Bremen, hat im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ein beeindruckendes Maß an Mut und Menschlichkeit gezeigt. Sie ist weitgehend unbekannt geblieben, zu Unrecht. Cato Bontjes van Beek schrieb über sich selbst, sie sei nicht politisch. "Ich will nur eins sein, und das ist: ein Mensch." Sie wuchs in einer Künstlerfamilie auf, ihr Elternhaus war von Weltoffenheit und Gastfreundschaft geprägt, eine kulturelle Insel mitten in einem kleinen Dorf. 

Nicht nur ihr Onkel, der Maler Otto Modersohn, viele Künstler*innen gingen hier ein und aus. Ihr Großvater Heinrich Breling war ebenfalls Maler, 1849 in Burgdorf geboren. Helmut Schmidt war gern gesehener Gast der Familie.

Als junge Erwachsene folgte sie ihrem Vater, dem Keramiker Jan Bontjes van Beek, nach Berlin. Hier half sie, zusammen mit ihrer Schwester Mietje, französischen Kriegsgefangenen auf dem Weg zur Zwangsarbeit auf den S-Bahnhöfen mit Lebensmitteln und Kassibern.

Über den Vater kam es zum Kontakt mit Aktivisten der von der Gestapo so genannten „Roten Kapelle“. Cato half mit, ein sechsseitiges Flugblatt zu entwerfen, das zur sofortigen Beendigung des Krieges aufrief. Sie wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. In der Zeit ihrer Haft schrieb sie viele beeindruckende Briefe nach Hause, an die Familie, an Freunde, in einem steht: „Mir ist in dieser Zeit alles sehr klar und einfach geworden, und ich finde, es ist die ganzen Jahrhunderte hindurch viel geschrieben worden, und nur weniges hat Bestand, und dazu gehört doch in erster Linie die Bibel. Ich bin sehr froh, dass ich das Neue Testament habe." ...

Am 5. August 1943 ist sie zusammen mit 15 weiteren jungen Frauen des Widerstands im Alter von 22 Jahren hingerichtet worden. Der damalige Lilienthaler Superintendent Friedrich Frerichs ließ im Gedenken an Cato Bontjes van Beek am 5. September 1943 die Glocken der Fischerhuder Kirche läuten und im Gottesdienst Fürbitte für sie halten. Sein Mut brachte ihm eine mehrwöchige Haftstrafe ein. Der Kirchenhistoriker Johannes Wallmann schrieb über Cato Bontjes van Beek: Die Kirche sollte sich an sie erinnern und an das, was sie trug.