Gemeindebriefe

Titelbild 2022-3: Unterwegs

2022 | Ausgabe 3 - 2022 | Juni, Juli, August

30.05.2022 | 2,7 MiB

Liebe Leser:innen,

der Sommer steht vor der Tür und ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf ihn freue. In den letzten Monaten habe ich nach Sonne, Leichtigkeit und Menschen um mich herum gelechzt. Nach all den Einschränkungen, Sorgen, ewig neuen Herausforderungen und Einschränkungen wuchs in mir die Sehnsucht nach Normalität. Nach Lebensfreude „so wie früher“.

Wie schaut es bei Euch aus? Was erhofft Ihr euch für diesen Sommer? Endlich wieder reisen, weiter weg vielleicht nach zwei Sommern mehr oder weniger daheim? Unbeschwert Freunde und Familie treffen? Zeit zum Erholen? Sind es noch immer die selben Hoffnungen und Wünsche wie zu Beginn des Jahres?

Ich gestehe, bei mir hat sich da was geändert. So ganz unbeschwert schau ich nicht mehr auf diesen Sommer und all meine Pläne. Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine hat sich meine Hoffnung für diesen Sommer verändert. Es fühlt sich komisch an, das Reisen zu planen, wenn ich weiß, dass andere ungewollt und mit nur ein wenig Hab und Gut auf die Reise gehen – auf die Flucht. Flucht vor Bomben. Vor dem Krieg. Und dann fallen mir Worte aus der Bibel ein:

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Im 31. Psalm bittet ein Mensch Gott um Hilfe vor Verfolgern. Aber er spricht auch seinen Dank und sein Vertrauen aus, dass Gott ihn retten wird. Eine Gleichzeitigkeit, die mich an die Gleichzeitigkeit von so vielem Schönen und so vielem Schweren erinnert, die gerade herrscht.

Da ist die Sorge um unsere Welt. Das Klima. Die Kriege. Das Mit-Leiden mit den Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Und da ist mein Leben. Das ganz normal weitergeht. Mit den eigenen Hoffnungen auf einen unbeschwerten Sommer. Mit den eigenen kleinen Sorgen und Wünschen. Und das alles zusammen zu bekommen, das fällt nicht immer leicht. Und dann versuche ich mich ab und an daran zu erinnern:

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Da ist Dank. Und Grund zum Hoffen. Trotz oder gerade wegen all dem, was um mich, um uns herum passiert. Lasst uns das nicht aus den Augen verlieren. In aller Gleichzeitigkeit von Schönem und Schwerem. Lasst uns innehalten und Gott Raum geben in unserem Leben. Und dann, dann können wir aufbrechen: in den Sommer. In den weitern, noch unbekannten Raum, der vor uns liegt. Gott wird bei uns sein. Unsere Füße auf weitern Raum stellen. Darauf vertraue ich.

Bleibt behütet, Eure
Dorothea Wöller

Titelbild 2022-2: Aufatmen

2022 | Ausgabe 2 - 2022 | März, April, Mai

22.03.2022 | 2,4 MiB

Aufgrund organisatorischer Verzögerungen erscheint der Gemeindebrief leider mit vierwöchiger Verspätung. Der Redaktionsschluss lag vor Beginn des Ukrainekrieges, die Texte spiegeln das deshalb nicht wider.

Kennen Sie den?

Josef von Arimathäa hatte sein eigenes Grab für das Begräbnis Jesu zur Verfügung gestellt. Am Abend kommt er nach Hause und versucht seiner Frau schonend beizubringen, dass die Familiengrabstätte nun belegt sei. Seine Frau regt sich auf, wird wütend und schreit: „Josef, wie konntest du nur? Unser Grab! Wo sollen wir jetzt bestattet werden?“ Josef bewahrt die Ruhe, atmet tief durch und sagt: „Schatz, reg dich doch nicht so auf! Es ist doch nur über‘s Wochenende!“

Im Gottesdienst Witze erzählen – für manche undenkbar. Und doch gab es diese Tradition bis ins 18. Jahrhundert. Das „Osterlachen“. Ich lache dem Tod ins Gesicht. Ich lache, weil das die Angst vertreibt. Ich lache, weil das Leben eben doch stärker ist als der Tod. Lachen befreit - das spüren wir im ganzen Körper. Ich atme tiefer, nicht nur meine Gesichtsmuskeln bekommen ordentlich zu tun und ich fühle mich wohler.

Ich vergesse dabei nicht das Leid um uns herum. Viele sind krank, manche gestorben. Doch das, was wir jetzt brauchen, ist Hoffnung und Freude. Nach Karfreitag folgt der Ostersonntag. Jesus duckt sich nicht weg, sondern geht den Weg in den Tod. Auch bei unserem Sterben lässt er uns nicht allein. Geht mit uns durch das Dunkel hindurch und begleitet uns auf dem Weg in Gottes Hoffnungsland. Seit Ostern haben wir eine Ahnung davon, wie das Leben weitergehen kann. Das feiern wir. Wenn das kein Grund zur Freude ist!

Begegne anderen mit Humor und Freundlichkeit. Auch wenn dir die Rolle als Spaßvogelnicht auf den Leib geschrieben ist, kannst du für eine gute Atmosphäre sorgen: In der Familie, mit Freunden, am Arbeitsplatz. Humor hilft, Situationen zu entspannen ohne jemanden bloß zu stellen. Lachen hilft, tief durchzuatmen und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

In einigen Gemeinden wird das Osterlachen gerade wiederbelebt. Vielleicht gar keine schlechte Idee.

Mit fröhlichen Grüßen
Anja Schawohl

Titelbild 2022-1: Runde Sache

2022 | Ausgabe 1 - 2022 | Dezember, Januar, Februar

09.12.2021 | 6,0 MiB

Alle Jahre wieder...

Kommt Weihnachten. Kommt das Christuskind. Kommt der Weihnachtsmann. Und davor die Adventszeit.

Alle Jahre wieder kommt eine neue Welle. Kommen neue Verordnungen und Einschränkungen.

Wie geht es Ihnen damit? Kommt dies Jahr Weihnachts-Vor-Freude auf? Wie sehen Ihre Planungen aus? Planen Sie überhaupt noch was mit der Familie oder Freunden an Weihnachten?

Alle Jahre wieder... kommt Weihnachten. Egal, was um uns herum und in uns passiert.

Wir bekommen vier Wochen geschenkt, in denen wir uns vorbereiten können. Schmücken können: das Haus, die Wohnung, den Garten, das Herz. Vier Wochen, in denen wir drinnen und draußen Lichter anzünden. Gegen die Dunkelheit. Gegen die Kälte in uns und um uns. In der Gesellschaft. Lichter, die uns hoffen lassen. Hoffen lassen auf leichtere Zeiten. Auf mehr Verständnis untereinander. Auf eine friedlichere Welt, in der jedes helle Kinderlachen zu hören ist. Fröhlich und unbeschwert.

Alle Jahre wieder... all diese Hoffnungen. Geballt treffen sie uns in diesen Wochen. Und viele bleiben unerfüllt. Oder vermeintlich unerfüllt. Weil es oft so kleine Dinge sind, die sich ändern, und die wir übersehen. Ich denke da an all die lieben Worte und Begegnungen, die ich trotz schwierigen Start-Zeiten im letzten Jahr erfahren durfte. Ich habe Hilfe erfahren an Punkten, an denen ich nicht damit gerechnet habe. Und ich habe eine Zimmerpflanze ein ganzes Jahr am Leben erhalten - ein großes Wunder. Die Hoffnung, dass es klappt, die hatte ich, dass es tatsächlich so wurde – freut mich unglaublich. Welche Hoffnungen sind Ihnen in Erfüllung gegangen?

Alle Jahre wieder... Wird es Advent. Unsere gekränkte Welt ist gerade nicht bestimmt von schmucken Licht und guter Hoffnung. Da hilft mir die Trotzkraft des Kirchenjahres. Es wird Advent, mit uns, unabhängig von uns, in uns, trotz allem. Die Lichter dieser Zeit lassen uns hoffen. Die Lieder dieser Zeit singen uns in Erwartung.

Das schreib dir in dein Herz. Seid unverzagt! Ihr habt die Hilfe vor der Tür. Der eure Herzen tröstet ist allhier.

So die Strophe aus Paul Gerhardts Lied „Wie soll ich dich empfangen“. In diesem Advent will ich es mir selbst ins Herz schreiben: Seid unverzagt! Beherzt! Dass wir voll Trost und Zuversicht auf dieses Weihnachtsfest zugehen können und in das neue Jahr! In dem uns Jesus mit offenen Armen und vielen kleinen Rettungsboten gegen Angst und Einsamkeit entgegenkommt:

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Ich wünsche Ihnen und Euch eine hoffnungsfrohe und helle Advents- und Weihnachtszeit und ein gesegnetes und gesundes neues Jahr!

Ihre Pastorin
Dorothea Wöller

Titelbild 2021-4: Freiheit

2021 | Ausgabe 4 - 2021 | September, Oktober, November

20.09.2021 | 5,3 MiB

Freiheit

Ich glaube an die Aufklärung. Ich glaube an die Freiheit. An die Freiheit der Gedanken. An die Freiheit des Wortes. An die Freiheit des Glaubens.

Doch wir alle erleben es in dieser Zeit: die Freiheit erleidet Rückschläge. Sie ist in Gefahr. Corona-Leugner und Impfgegner. Demokratiefeinde auf den Stufen des Reichtags in Berlin und als wütender Mob im Capitol in Washington, DC. Freiheit ist bedroht. Freiheit ist nicht selbstverständlich.

Ich habe immer in Freiheit gelebt. Musste nie Angst haben, meine Meinung zu sagen. Meinen Glauben in aller Freiheit und Offenheit zu leben: Offen. Kritisch. Zweifel zulassend. Ohne Zwang. Mit Liebe. Zu mir selbst. Zu denen um mich herum.

Meine Freiheit darf nicht die Freiheit der Anderen beschneiden. Und das erlebe ich im Moment immer öfter als ein Problem. Wie weit darf ich gehen? Wo darf ich meine Nächste nicht aus dem Blick verlieren? Diese und andere Fragen stelle ich mir. Sie sich vielleicht auch?

Was wird aus den Kindern, jetzt, nach den Sommerferien? Wie wird sich unser Miteinander weiter gestalten? In der Gemeinde? In unseren Orten? Wann fallen wir uns wieder in die Arme, voll Erleichterung?

Christus hat uns befreit, damit wir endgültig frei sind. (Galater 5,1a)

Gott will die Freiheit des Menschen. Gott geht für uns in Gefangenschaft. Er lässt sich in Jesus Christus gefangen nehmen. Er hält unsere Unfreiheiten aus: Unsere Wut. Unsere Angst. Unsere Sinnlosigkeit. Unseren Tod. Nimmt Gott auf sich. Damit wir frei werden.

Jesus spricht:
„Nur wenn ihr an meinem Wort festhaltet, könnt ihr wirklich meine Jünger sein. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Gott nimmt den Tod auf sich. So groß ist seine Liebe. So wertvoll ist unsere Freiheit.

Lasst sie uns in Liebe und Verantwortung gemeinsam leben.

Ihre Pastorin
Dorothea Wöller