Andacht der Woche

Es ist unvorstellbar: Passions- und Osterzeit, und alle Gottesdienste fallen aus. Ein Virus zwingt uns zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Nicht einmal mehr unsere offene Kirche darf geöffnet bleiben. Damit wir in dieser Zeit nicht ohne spirituellen Rahmen auskommen müssen, gibt es jeden Sonntag einen Video-Gottesdienst aus einer Gemeinde der Hannoverschen Landeskirche.

Und hier finden Sie einen Andachtstext oder eine Predigt zum Nachlesen:

„Angst essen Seele auf!“

Susanne Paul


„Angst essen Seele auf!“ so hieß ein Film vor vielen Jahren. Worum es ging, hab ich vergessen, aber der Titel hat sich mir eingeprägt. Vielleicht, weil er so bildlich ausdrückt, was in mir passiert, wenn ich richtig Angst habe: wenn mir der Brustkorb eng wird und ich keine klaren Gedanken mehr fassen kann, wenn sich in mir alles im Kreis nur um die eine Sache dreht und ich keinen Blick mehr für all das andere habe, was mich ausmacht.

„Angst essen Seele auf!“ – manche mögen sich gerade jetzt in diesen Worten wiederfinden. Alles kreist um Corona und „was wäre wenn?“ und „wie wird es mit uns?“ Und das ist auch kein Wunder. Die Nachrichten sind ja auch beängstigend. Und ehrlich gesagt: es ist auch gut, wenn wir Angst haben. Weil wir dann aufeinander achten, uns selber vorsehen und andere schützen. Aber diese Angst soll nicht unsere Seele aufessen, nicht alles in Beschlag nehmen, was unser Leben ausmacht. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Die Worte aus dem 2.Timotheusbrief liebe ich sehr – nicht nur, weil sie unser Trauspruch sind. Sie antworten auch auf die Fragen, die Menschen jetzt stellen: Wo ist Gott in alledem? Kommt das alles von Gott?

Andacht zum Mithören als Audio-Podcast

 

Nein, das kommt nicht von Gott, nicht das Leid und die Angst, nicht die Ungewissheit und die Unruhe. Aber Gott geht mit uns hindurch – mitten in der Angst ist Gott – und gibt uns den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Hört sich abgehoben an? Ist es aber nicht! Schauen Sie mal genau hin, was gerade auch bei uns passiert: Menschen, die sich engagieren, für andere einstehen, Menschen, die ihre Kräfte bündeln, um fit zu bleiben in Krankenhäusern, Pflegeheimen, in Supermärkten und Arztpraxen. Menschen, die besonnen über die Pandemie reden – realistisch, aber ohne Ängste zu schüren. Das sind Spuren vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

„Angst essen Seele auf!“– nein, das sollten wir nicht zulassen und uns gegenseitig dabei etwas von Gottes Geist zeigen, von der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!

Bleiben Sie behütet!